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An der Grenze zum Korrekten

Die knapp 500 Besucher in der Aula des Städtischen Gymnasiums waren nur wegen ihm gekommen: Uli Masuth. Der groß gewachsene Kleinkünstler und Pianist thematisiert in seinem neuesten Programm „Ein Mann packt ein“ den Kampf der Geschlechter. Aber der Wahl-Weimarer sieht sich vor allem als politischer Kabarettist – angesichts der neuen schwarz-gelben Regierung ist für seine „Branche“ die Vollbeschäftigung zumindest für die nächsten vier Jahre gesichert. Es sollte ein sehr dichtes Programm werden mit jeder Menge Kommentaren zur Lage der Nation, mit wohldosiertem Klavierspiel ohne Gesang und der einen oder anderen kleinen Albernheit am Rande.

Was sehr schnell deutlich wurde: Masuth zielt nicht auf eine hohe Schenkelklopfer-Dichte ab. Dafür tastet er sich immer wieder gerne an die Grenzen des politisch Korrekten. So lästert er über die Gleichberechtigung, die sich auch im Islam breit mache: „Immer mehr Selbstmordattentäter sind Frauen.“ Und um nach George W. Bush so richtig aufzuräumen, bedurfte es im Weißen Haus eines schwarzen Mannes. Ein anderer möglicher Aspekt angesichts Obamas Sieg über Hillary Clinton: „Frauenfeindlichkeit ist in den USA noch stärker ausgeprägt als der Rassismus.“

Frauen waren für ihn aber nicht die armen, benachteiligten Kreaturen, sondern schwer auf dem Vormarsch: „Uni-Abbrecher, Selbstmörder, Obdachlose: Hier sind Männer heute in der Überzahl.“ Der Mann, der seine Worte mit Bedacht wählte, der wohldosierte Kunstpausen machte, um dem Gesagten oder zu Sagenden noch mehr Gewicht zu verleihen, schien sich seiner enormen Bühnenpräsenz bewusst zu sein.

Ist unsere Nationalhymne zu fröhlich? Am Flügel spielte er eine Version mit mehr Moll. Manchmal diente ihm das imposante Instrument auch als lässige Sitzgelegenheit. So schwarz wie der Flügel war mitunter auch sein Humor. Eine Kostprobe: „Die Alten wollen nicht mehr sterben – ja schauen Sie sich doch einmal hier um!“

NGS Korschenbroich

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