Die Presse über Uli Masuth

Westerwälder Zeitung/ Rhein-Zeitung 16.3.2016

Kabarett Nachrichtensprecher Uli Masuth versteht sich auf die Logik makaberer Irrenwitze – Perfide und perfekt dargeboten

Von unserem Mitarbeiter Matthias Budde

Hachenburg. Uli Masuth überraschte die Hachenburger Kulturzeit und ihre Gäste in der ausverkauften Stadthalle mit einem Kabarett der guten Nachrichten. Das klingt nach dem falschen Lächeln amerikanischer Fernsehprediger, ist aber geschliffenes politisches Kabarett.

Uli Masuth bespielt dieselben Themen wie seine Kollegen, er verkauft sie nur anders. Er bietet die Viertelpackung zum halben Preis an, spielt eine leichte Weise auf dem Klavier, lächelt über die rechte Schulter ins Publikum und spricht von einer Win-win-Situation. Wenn der Wahlweimarer seine gute Nachricht verkündet, dann ist das uneigentliches Sprechen, also Ironie im wahrsten Sinne des Wortes. Das Publikum lauscht gespannt der „frohen Botschaft“, die er leise, mitunter im Flüsterton vorträgt. Das Lachen kratzt im Hals und bleibt schon mal stecken. Die Hymne der schönen neuen Bundesrepublik ist ja die der alten. Masuth transponiert sie nach Moll und schon ist Stimmung in der Bude.

Wenn Jugendarbeitslosigkeit und Selbstmordraten steigen, wird man doch mal von Wachstum sprechen dürfen. Mangel herrscht nur an Fachkräften. Wenn sich nur 300 qualifizierte Bewerber auf 100 Stellen bewerben, ist der Kapitalismus in ernster Gefahr. Am Ende droht Vollbeschäftigung. Allmählich wird klar: Masuths gute Nachrichten folgen der Logik makaberer Irrenwitze. Wer vom Sprungturm ins leere Becken springt, wird wenigstens nicht nass. Das ist perfide und perfekt gemacht, handwerklich solide mit minimalistischer Dramaturgie. Eine leere Bühne, ein Mann am Klavier, der keine Show abzieht, weil er etwas zu sagen hat. Schwere Kost, verabreicht zu leichter Barmusik.

Die Welt ist gar nicht so unübersichtlich, man muss sie nur einteilen in Gut und Böse. Es gibt einen Unterschied zwischen Putin und Obama. Den Friedensnobelpreis. Des einen Kriege fordern zivile Opfer, des anderen Engagement im Ausland zieht Kollateralschäden nach sich. Masuth benutzt die Methoden der Weißmacher, um schwarz zu malen. Satire stellt gewöhnlich den Mangel dem Gewollten gegenüber, Masuth erklärt das Erreichte für gewollt. Wovor haben wir eigentlich Angst?, fragt er. Davor, dass uns die Skandale ausgehen? Da muss man nur das Kleingedruckte lesen. Ob auf der Lachslasagne oder den TTIP-Verträgen. Und wenn uns der Bundespräsident etwas vorgaukelt und von Freiheit spricht, dann hat er wohl die Freiheit der Konzerne im Sinn, mutmaßt Masuth. Aber wir sind gesünder, trotz Fast Food und Gammelfleisch. Namhafte Alkoholiker früherer Epochen wie Beethoven starben noch am Bleiacetat im Wein. Heute killt nach Transplantation der zirrhotischen Leber der Krankenhauskeim und mindert die Probleme der Spätsterblichkeit. Wenn das keine guten Nachrichten sind.

Nur die Flüchtlinge, die bereiten Masuth Sorgen. Vor allem die Steuerflüchtlinge. Eine Billion Euro, also tausend Milliarden, verschwinden durch Steuerschlupflöcher in der EU, und zwar legal. Warum werden da nicht die Gesetze geändert? Masuth beschleicht ein leiser Verdacht: Vielleicht wird das Geld gar nicht gebraucht. Denn das ist das Schlechte an der guten Nachricht: Man muss sie sich leisten können und wollen.

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