Die Presse über Uli Masuth

Nordbayerische Nachrichten 28.4.2009

Entspannt die Konversation des unaufgeregt auf der Bühne zwischen Zentrum und Klavier am Rande wandelnden Kabarettisten, völlig unverkrampft die Haltung, angenehm der Tonfall, sympathisch das Lächeln, die Inhalte selbst kompatibel mit einem Kultur- und Kabarettabend der Gewerkschaft inklusive Frauenbund, wo man sich in der Regel gegenseitig und mäßig witzig in der eigenen Weltanschauung bestärkt.
Dazu noch, getreu der Ankündigung, großteils gefällige "Klaviermusik ohne Gesang". Es ist eine geradezu an Perfidie grenzende Raffinesse, mit der Uli Masuth sein vertrauensvoll folgendes Publikum in die Irre führt; damit steht er wohl unter seinen Kabarettkollegen ziemlich einzigartig da. Der Moment der Erkenntnis kommt in der Regel zu spät: dann wenn man realisiert, wie bitterböse der ach so harmlose Mann auf der Bühne gerade Pointen formuliert.
Hier mal Hand aus Herz: wähnen wir Kabarettbesucher uns selbst nicht stets auf der richtigen, auf der guten Seite? Aus dieser Gleichgesinntheit in der richtigen Gesinnung fühlt man sich urplötzlich geworfen, versunsichert, allein gelassen. Das laute Lachen bleibt im Halse stecken - wenn es denn überhaupt im Begriffe war hervorzubrechen.
Natürlich landet auch Uli Masuth den einen oder anderen Lachtreffer, dann wenn er zum Beispiel zum Thema sinnlos überdimensionierter öffentlicher Projekte anmahnt, dass es "an wortgewaltigen Aufklärern im Vorfeld" fehle. Pause: "Wie Edmund Stoiber." Pause. "Als der seine Rede zum Transrapid gehalten hat, da hat auch der letzte gemerkt, was das für ein Schwachsinn ist."
Derartiger klar gesetzter Witz ist fast untypisch für diesen Kabarettisten, der eher vehement und eloquent über die Bildung als unsere Zukunft parliert respektive das wohlfeile Schwadronieren unserer Politgrößen damit wiedergibt, ehe er mit einem einzigen Satz als Fazit - "jetzt müssen wir nur noch klären, wer sich um die Gegenwart kümmert" - das ganze Zukunftgeseiere ad absurdum führt.
In dröhnendes Lachen ausbrechen wird man da eher nicht - Masuth stimuliert mit seinen Akupunkturnadeln des Geistes eher langfristig unsere eingefahrenen Dankbahnen, seine Punkte und Pointen brauchen (Wirk-) Zeit. Das ist, ganz am Rande bemerkt, eine durchaus risikoreiche Variante von Kabarett.
Dieses Wandeln an der Humorgrenze ist vor Langeweile nicht per se gefeit und gerade daran, dass vieles en passant daherkommt, daran muss der Künstler in der Regel lange feilen. Ähnlich wohl wie an den so scheinbar absichtlos in den Raum gespielten Musikstücken oder Teilen von Musikstücken. Wobei: "oh du Fröhliche" als Tango, das hat schon was. Mit solchem Schmiss im Ohr wird es auch manchem der zahlreich anwesenden Männer leichter gefallen sein zu ertragen, was Masuth quellenreich als Erkenntnis des Abends herausarbeitet: der Mann hat den Geschlechterkampf verloren. Schon die Mädchen sind besser, schneller und überhaupt überlegen und die Frauen inzwischen allüberall auch. Zeit für die Männer einzupacken - Uli Masuth machte es an diesem höchtst gelungenen Abend vor.

Alexander J. Wahl

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