Die Presse über Uli Masuth

Westfalenblatt

Halle (mas). Sich über den Wahnsinn in der deutschen Gesellschaft im Allgemeinen, und das, was die Politik damit zu tun hat im Besonderen aufregen - das machen viele Kabarettisten und Comedians. Mal mehr, mal weniger gut. Uli Masuth, Kaba- rettist und Musiker, schafft es, ein nagend schlechtes Gewissen und Erleichterung im Publikum gleichermaßen zu erzeugen.

»Glaube, Hoffnung, Triebe«, so heißt das aktuelle Programm des Musik- und Kabarettpreisträgers Masuth, mit dem im Haller Bürgerzentrum Remise gastierte. Aus gutem Grund, denn »wenn es »Glaube, Hoffnung, Liebe« heißen würde, wären Sie gar nicht gekommen!« ..

Wo andere »Comedians« mit viel Körpereinsatz und Geschrei über fehlenden Tiefsinn hinwegtäuschen müssen, spielt der studierte Musiker und Familienvater in einer ganz anderen Liga und setzt bloß eine einzige Waffe ein: die Sprache. Und ein Klavier. Und das muss sein, denn sein entlarvender Blick auf die politischen und sozialen Missstände
und menschlichen Unzulänglichkeiten. hinterlässt Aufruhr im Herzen.

Und die will beseitigt werden mit netten und ruhigen Klaviermelodien - eine Erlaubniserteilung zum Zurücklehnen. Diese Einbalsamierung hält allerdings nicht lange vor, denn Masuth verschont auch das Publikum nicht, sondern führt dem einen oder anderen Gast auch gerne dessen dunkle Seite vor: »Und diese Erotikfilme so spät abends im Fernsehen!«. Pause. »Die müssten viel früher kommen - denken Sie! «. Und zeigt mit der Rechten auf einen Zuhörer in
der ersten Reihe. Seine Linke macht währenddessen eindeutige Handbewegungen.

Seine Attacken auf die Schattenseiten des deutschen Lebens sind keine Augenwischerei, sondern entlarven diese auf paradoxe Weise: »Mit Deutschland geht's bergauf, sagt die Regierung. Das Rentenalter wird heraufgesetzt und die Mehrwertsteuer erhöht«. Auf Platitüden verzichtet er ganz, und scheinbar kindlich anmutende Zusammenhänge lassen das Lachen im Halse stecken bleiben: »Warum bauen wir denn neue Atombomben? Wir können doch erst mal die alten aufbrauchen!«

Das Publikum in solch Wechselbad der Gefühle stürzen und es dennoch gut unterhalten nach Hause gehen lassen? Diese Rechnung geht auf dank Uli Masuths Souveränität und Unaufgeregtheit.

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