Die Presse über Uli Masuth

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Sternstunde des Solokabaretts: Uli Masuth in der Obernburger Kochsmühle

Man merkt es gleich: Er fühlt sich pudelwohl in der trauten Atmosphäre. Er freut sich, dass das Kabarett boomt, trotz der schlechten Zeiten. Uli Masuth aus Duisburg lobt Obernburg und seine Kochsmühle, wo Kabarett noch richtig Spaß mache, da das Publikum so ausgezeich-net auf ihn eingehe und sich einspannen ließe in den Ablauf seines Programms. Masuth muss es ja wissen, hat er doch auf diesem Podium 1996 mit seinem Partner Helmut Meier den »Obernburger Mühlstein« als Auszeichnung entgegennehmen dürfen.

Im Stile eines exquisiten Besinnungsaufsatzes wickelte er, wohl dosiert in Umfang und Themen, sein klar angelegtes, bestens nachvollziehbares Programm ab. Dieses würzte er mit glanzvollen schauspielreifen Szenen, in die er seine Kritik an Politik- und Gesellschaftsverfall hintersinnig umschrieben oder bissig direkt einbrachte. Mit wunderbaren musikalischen Intermezzi glänzte er zudem als Klaviervirtuose. In seiner Einleitung führte er wie ein Conferencier elegant in Wort und Auftreten in die Probleme unserer Zeit ein immer mit Bezug und Kontakt zu passenden Leuten im Zuschauerraum. Regierungsformen hält er für fantastisch, je nach Auslegung des Wortes. Benehmen sei in unserer Gesellschaft ein Fremdwort oder nur noch ein bourgeoise Verzierung.

Zum Verdauen seiner bissigen Anspielungen auf Politiker und jammernde Bürger bot er entspannende Musik an nach dem »Vorbild« der Werbepausen im Fernsehen. Nun legte er im Hauptteil seine Thesen mit Beispielen dar und erläuterte, wie man durch »Tauchen« (ein-, ab-, unter- und wieder auf-) seine Probleme bewältigen oder zumindest entschärfen kann. In einer grandiosen Spiel-szene schlüpfte er in die Rolle eines nörgelnden, besserwissenden und angeberischen Fluggastes, der ihn, Masuth, in der Wartehalle in einem penetranten Monolog, in die eine bitterböse karikierte Weltanschauung verpackt war. zuschwätzt. Dabei kommen die Bedeutungswandel vom Sporttauchen im Meer bis zum Abtauchen vor solchen Leuten in bester Weise zum Ausdruck.

Erlebte man schon jetzt eine Sternstunde niveauvollen Solokabaretts, so wurde dies untermauert im akzentunterlegten Auftritt des polnischen Frührentners Kuchharzyck als Friedhofswärter am Niederrhein. Zur Orgeltrauermusik schilderte er im Stile eines Unterhal-tungsmoderators Beerdigungserlebnisse und philosophierte über die damit verbundenen Menschenschicksale speziell aus dem Altenheim. Da kam schon Betroffenheit auf.

Köstlich unterhaltsam wurde es beim Kartoffelkäferrennen um den Preis des Präparierens, das dazugehörige angepriesene Daumenkino in Buchform und die ergänzende »Filmmusik« am Klavier. Die Erziehung vom Macho zum braven Hausmann durch die Ehefrau und seine Rückverwandlung zum Macho durch ein Tango-Kurs-Geschenk eben dieser gipfelte im Ausspielen seiner Tangomanie auf den Tasten. Sogar auf den Orgelbock in der Christmette habe diese ihn. den Nebenkirchenmusiker, verfolgt. Letztlich verriet Masuth das Geheimnis seiner Musikintermezzi Erwurde bei Telefonaten mit Stadtverwaltungen und Kulturämtern sooft auf die Warteschleife geschickt, dass er von Musik fast eingeschläfert wurde. So gab er die originellsten mit ironischem Kommentar auf dem Keyboard zum Besten, gipfelnd in »Mit 17 hat man noch Träume» bei der Bundesanstalt für Arbeit.

Der Beifall für einen Kabarettisten voller Charisma und von höchstem Niveau war entsprechend. So bedankte er sich mit dem zauberhaften »Traum eines südfranzösischen Murmeltiers vom Fliegen« und dem expressiven »Abtauchen des Flusspferds bei Hagenbeck«. fjd

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